Starkregen

Starkregen und Überflutung

Gefährdung durch Starkregen

Extreme Regenereignisse gab es schon immer. Bedingt durch die Klimaveränderungen häufen sich aber seit einigen Jahren Unwetter mit ungewöhnlich starken Wolkenbrüchen. Im Zuge des Klimawandel ist eine weitere Zunahme wahrscheinlich.

Das Auftreten von Starkregen hängt vor allem von Lufttemperatur und Windstärke ab. Mit hohen Temperaturen, gerade an heißen Sommertagen, kann mehr Wasserdampf in der Atmosphäre auf-
genommen und gehalten werden. Bei Abkühlung kondensiert der Wasserdampf manchmal schlagartig und ergießt sich auf relativ kleine Niederschlagsgebiete. Ort und Zeitpunkt des Auftretens solcher Wolkenbrüche sind kaum vorherzusagen.

Innerhalb weniger Minuten oder Stunden fällt dann die durchschnittliche Niederschlagsmenge eines ganzen Monats. Bei diesen außergewöhnlichen Regenereignissen übersteigen die Niederschlagsabflüsse oft deutlich die Leistungsfähigkeit von Kanälen, Leitungen und Gewässern und es kann zu lokalen Überflutungen kommen.

Auch der Boden hat bei Starkregen nicht genug Zeit, das zusätzliche Wasser aufzunehmen, was sich noch verstärkt, wenn es vorher eine Zeit lang überhaupt nicht geregnet hat. Das Wasser fließt dann ungehindert und häufig mit großen Schlammanteilen in Gräben oder tieferliegende Gebiete ab.

Bei uns in der Marsch kommen noch verstärkt Hochwasserereignisse sowie hohe Qualmwasserstände hinzu. Dies sorgt zusätzlich dafür, dass Wasser nicht ausreichend, zum Beispiel durch die Gräben, abgeführt werden kann.

Überflutungen können erhebliche Schäden an Gebäuden sowie der Infrastruktur verursachen und stellen gleichzeitig eine Gefahr für die Bürgerinnen und Bürger dar. Da Starkregen und Hochwasser oftmals plötzlich auftreten, können sie nur kurzfristig oder gar nicht vorhergesagt werden. Entsprechend ist es wichtig, Hinweise und Empfehlungen zum Schutz für sich und andere zu kennen und einzuhalten.


In den unten stehenden Absätzen finden Sie Tipps und Hinweise zu den folgenden Themen:


Wie verhalte ich mich bei Starkregen und Hochwasser richtig?

Jedes Hochwasser- und Starkregenereignis verläuft anders.


Daher dürfen keine Rückschlüsse aus alten Vorfällen gezogen werden und es muss immer mit neuen Gefahren und Risiken gerechnet werden.

Falsches Verhalten und ein Unterschätzen der Situation kann immer wieder zu Unfällen führen!


Im Notfall geht Menschenrettung immer der Erhaltung von Sachwerten vor!

Erste Schritte im Vorfeld einer Überflutung

  • Sorgen Sie dafür, dass Strom und Heizung in überflutungsgefährdeten Räumen abgeschaltet sind
  • Drehen Sie Haupthähne für Gas und Wasser ab
  • Entfernen Sie Fahrzeuge aus der Gefahrenzone und parken diese in ungefährdeten Gebieten
  • Nehmen Sie ihre persönlichen Dokumente und Notgepäck an sich

Bei Überflutung


1. Eigene Sicherheit sicherstellen: Ruhe bewahren und die Gefahrenzone verlassen!

  • Verlassen Sie tiefer gelegene Räume, es besteht die Gefahr des Ertrinkens und von Stromschlägen
  • Meiden Sie überflutete Straßen, Uferbereiche sowie Tunnel oder Unterführungen
  • Gehen Sie in geschützte Räumlichkeiten - die Strömung kann extreme Kräfte entwickeln und dabei Menschen und Gegenstände mitreißen!
  • Verfolgen Sie die aktuelle Wetter- und Gefahrenlage in den verschiedenen Medien und geben Sie Informationen an Familie, Nachbarn und Freunde weiter
  • Achten Sie auf Durchsagen von Einsatzkräften
  • Behindern Sie die Einsatzkräfte nicht und folgen Sie deren Anweisungen!

2. Wie kann ich anderen helfen?

  • Unterstützen und informieren Sie hilfsbedürftige Personen (Kinder, ältere und kranke Menschen in der Nachbarschaft)
  • Bringen Sie diese bei Bedarf außerhalb des Gefahrenbereichs
  • Denken Sie auch nach Möglichkeit an Nutz- und Haustiere
  • Stimmen Sie eigene Schutzmaßnahmen mit den Nachbarn und den behördlichen Maßnahmen ab und stellen Sie ihre Ressourcen zur Verfügung (zum Beispiel Tauchpumpe)
  • Machen Sie Einsatzkräfte auf Verletzte oder Hilfsbedürftige aufmerksam
  • Leisten Sie ggf. Erste Hilfe

Ständige Maßnahmen zur Vorsorge

  • Frischen Sie regelmäßig Ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse auf
  • Stellen Sie ihre persönlichen Dokumente und wichtigen Sachen zusammen und halten Sie Notfallgepäck bereit
  • Laden Sie ihr Mobiltelefon und halten Sie ihr Ladekabel und ggf. ein mobiles Ladegerät bereit
  • Halten Sie Dinge wie Sandsäcke, Schaltafeln zum Abdichten von Fenster und Türen bereit und lagern Sie Tauchpumpen und Flüssigkeitssauger außerhalb der gefährdeten Bereiche
  • Nutzen Sie hochwassergefährdete Räume am Besten angepasst
  • Stellen Sie sicher, dass Sie im Notfall schnell Strom, Heizung, Gas und Wasser abschalten können
  • Installieren sie elektrische Versorgungseinrichtungen und Heizungsanlagen nach Möglichkeit in höher gelegenen Räumen
  • Bewahren Sie Wertgegenstände, Wirtschaftsgüter und gefährliche Stoffe oder Chemikalien nicht in gefährdeten Räumen auf
  • Lagern Sie Gegenstände im Keller in ausreichender Höhe (Stahlregale sind vorteilhaft)
  • Sichern Sie Heizöl - und Gastanks gegen Aufschwimmen
  • Warten Sie regelmäßig die vorhandenen Rückstausicherungen

Eindringwege von Wasser in Gebäude bei Überflutungsereignissen

1./2.: Gefahr durch Grundhochwasser und Hochwasser

Viele Gebäude der Samtgemeinde Elbmarsch befinden sich in unmittelbarer Nähe zur Elbe oder anderen Gewässern. Die Deiche schützen vor Hochwasser. Bei höheren Wasserständen gefährdet jedoch ebenfalls steigendes Grundhochwasser, das sogenannte Qualmwasser, Siedlungsbereiche auch in größerer Entfernung zu den Gewässern. 


3. Gefahren des Eintritts von oberflächigen Starkregenabflüssen

Außergewöhnliche Niederschlagsereignisse können zu Überflutungen auf Straßen und Grundstücken führen. Die Folge ist, dass Starkregenabflüsse über tiefer liegende Gebäudeöffnungen (wie zum Beispiel Türen, Treppen, Lichtschächte oder Garageneinfahrten) in Gebäude eintreten.

4. Gefahr des Rückstaus aus der Kanalisation

Starke Regenfälle können in ungesicherten Kellern zu Überschwemmungen durch Rückstau aus der Kanalisation führen.


5. Gefahr durch aufstauendes Sickerwasser

Nach Starkregen oder während lang anhaltender Nässeperioden kann es durch ein Aufstauen von Sickerwasser an den Außenwänden zu Vernässungen der Gebäudehülle oder zu einem unterirdischen Druck auf das Gebäude kommen.

Schadensbilder an und in Gebäuden 

  • Überflutung von Kellerräumen mit möglichen Schäden an Waschmaschinen, Trocknern, Werkzeugen, Hobbyräumen
  • Überflutung von Tiefgaragen mit möglichen Schäden an Pkw, Motorrad, Fahrrad
  • Überflutung des Erdgeschosses bei Gebäuden in Senken
  • Überflutung von Souterrainwohnungen
  • Überflutung von Gärten und Terrassen
  • Aufschwimmen von Öltanks und Ölschäden
  • langfristig: Beschädigung der Gebäudesubstanz (Schimmelbildung, Vernässung, zurückbleibende Schadstoffbelastung)
  • Bei Hanglage: Erosion/Abschwemmungen führt zu Wasser- und Schlammeintritt auf der Hangseite


Eintrittsstellen:

  • ungeschützte Lichtschächte
  • bodennahe Fenster
  • Abgänge
  • Einfahrten
  • Tür- und Fensteröffnungen
  • nicht ausreichend abgedichtete Außenwände ( Eintritt z. B. an Fugen, Leitungen, Wandanschlüssen)
  • Lüftungsöffnungen hinter Verblendmauerwerk


Praktische Hinweise für eine wassersensible
Grundstücks- und Gebäudegestaltung

Seltene und außergewöhnliche Regenereignisse sind  trotz der öffentlichen Vorsorgemaßnah-men nicht allein durch die städtische Infrastruktur zu beherrschen. Der Umgang mit Starkregen kann sich nicht auf die öffentlichen Entwässerungs-systeme beschränken. Aus diesen Gründen sind einige Gefahren ab einer gewissen Auslastung des Kanals nur durch Vorsorgemaßnahmen im und am Gebäude abzuwenden.


Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Gebäude von Schäden durch Wasser zu schützen.

Fest installierte oder mobile Abdichtungs- und Schutzeinrichtungen


Abschirmende Maßnahmen:

  • bei Neuplanung durch Standortwahl (Beachtung der Topographie, Mulden/Senken/tiefliegende Bereiche meiden, ggf. Gelände aufschütten)
  • durch eine angepasste Geländegestaltung (Mauern, Wälle, Retentionsmulden oder Notwasserwege)
  • durch Rampen, Bodenschwellen oder Aufkantungen an den tieferliegenden Gebäudeöffnungen und -zugängen (z. B. Kellerzugang, Lichtschächte, Zufahrten zu tiefer gelegenen Garagen)
  • Zusätzlicher Schutz von Schächten oder Zufahrten durch Überdachung


Zu beachten ist, dass Barrieren die Gefährdung an anderer Stelle nicht erhöhen sollten. Abdichtungen am Gebäude sind als zusätzliche Schutzmaßnahme immer empfehlenswert, falls die abschirmenden Maßnahmen überschritten werden. Zudem sollte der Abfluss vom eigenen Grundstück immer so gestaltet sein, dass Dritte nicht zusätzlich gefährdet werden.

Aufkantungen können ggf. die Barrierefreiheit beeinträchtigen. Dies muss bei der Planung berücksichtigt werden.

Bei Zufahrten zu tiefer gelegenen Garagen oder Kellerräumen können mittels Rampen und Bodenschwellen ein Überfließen von Regenwasser aus umliegendem Gelände verhindert werden. Hier gilt es die geltenden Bauvorschriften zu beachten.


Mobile Schutzsysteme aus dem Hochwasserschutz sind bei Starkregen durch die fehlende Vorwarnzeit nur bedingt geeignet.

Abdichtung der Gebäudehülle

Grundvoraussetzung: Wasserbeständige Außenhülle


  1. Gebäudeöffnungen:
    • Fest installierte Abdichtungen: tief liegende Türen, Fenster, Lichtschächte druckwasserdicht, Leitungsdurchführungen sollten wasserdicht angelegt sein (Dichtungsmaterial in Zwischenräume, Rohrleitungen dichtend anflanschen)
    • Mobile Verschlusssysteme: Fensterklappen mit Dichtung,
  2. Wände
    • dichte Baumaterialien im Sockelbereich
    • Dämmung nicht aufsaugend, sondern z. B. mit Kunststoffmaterialien
    • Verkleidung des Sockels mit wasserdichtem Sperrputz
    • auf Holzfassaden sollte in exponierten Lagen verzichtet werden, ebenso auf Verbundmauerwerk und zweischalige Wände mit Hinterlüftung

Nasse Vorsorge


1. Kontrollierte Flutung bestimmter Bereiche des Gebäudes

Lässt sich ein Gebäude nicht durch Wassersperren oder Abdichtungsmaßnahme sichern, bleibt nur die Option einer Begrenzung von Überflutungsschäden. Bei Bestandsgebäuden können z. B. bestimmte Bereiche des Gebäudes gezielt geflutet werden. Die Raumnutzung kann vorbeugend entsprechend angepasst werden. Für die Raumverkleidung sollten wasserunempfindliche Materialen (Steinfliesen o.ä.) verwendet werden. Elektrische Geräte sollten nach Möglichkeit oberhalb der Rückstauebene eingebaut werden.


2. Aufständerung des Gebäudes

Bei Neubau in überflutungsgefährdeten Lagen wie an der Elbe kann ein Gebäude über eine Aufständerung auf Stützen über die Überschwemmungslinie angehoben werden. Im Falle der Überflutung dringt so kein Wasser in das Gebäude ein. Der Bereich unter den Stützen könnte als Parkplatz oder Abstellfläche dienen.


Schutz vor Kanal-Rückstau


Kommt es in Folge von Starkregenereignissen zu einem Kanal-Rückstau können Überflutungen bei Entwässerungsanlagen (Waschbecken, Duschabläufe, Waschmaschinen etc.) entstehen, die tiefer als die Rückstauebene liegen. Für diese haftet der Grundstückseigentümer selbst. Als Rückstauebene bezeichnet man die Höhe, bis zu der das Abwasser in den öffentlichen Entwässerungsanlagen ansteigen kann und darf. In der Regel ist dies der höchste Punkt der öffentlichen Verkehrsfläche vor dem Grundstück (z. B. Bordsteinkante).

Abwassersatzungen der Kommunen legen fest, dass der Grundstückseigentümer für die Herstellung des Rückstauschutzes verantwortlich ist. Hierzu stehen zwei technische Systeme zur Verfügung: Die Hebeanlage oder ein Rückstauverschluss.


1. Rückstauverschlüsse:

  • für privat genutzte Räumlichkeiten ausreichend
  • Voraussetzung: freies Gefälle zum Kanal (Schwerkraftentwässerung)
  • Weitere Bedingungen, die zu erfüllen sind, in DIN EN 12056-4
  • Rückstauverschluss ausschließlich für Räumlichkeiten unterhalb der Rückstaugrenze. Obergeschosse und Dachflächen müssen ungehindert entwässern können.
  • Rückstauverschlüsse müssen automatisch arbeiten und jederzeit gut zugänglich sein; dazu von Hand zu betätigender Notverschluss
  • Regelmäßige Wartung ist zu empfehlen (bis zu 2 Mal pro Jahr)


2. Hebeanlagen

  • bei hochwertiger, gewerblicher Nutzung zu wählen
  • Schmutz- und Regenwasser unterhalb der Rückstaugrenze wird mit Hilfe einer Pumpe in eine Rückstauschleife angehoben, von wo aus es per Schwerkraft abfließt.
  • Hebeanlagen werden automatisch gesteuert und sollten einen Notschalter besitzen
  • Im Zulauf und im Ablauf ist ein Absperrschieber bzw. Rückflussverhinderer einzubauen
  • Die Anlage muss regelmäßig gewartet werden.


3. Sicherung einzelner Ablaufstellen

  • Sicherung durch Einzelsicherungseinrichtungen hinter Spülen oder ähnlichem zum Beispiel durch Einbau eines Siphons mit Kugelverschluss


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